Germanisch oder Woher kommt die deutsche Sprache

Germanisch ist Teil der Indogermanischen Sprachfamilie. Anders als das Indogermanische ist das Germanische nicht mehr eine rein konstruierte Sprache.

Das Germanische

Der germanische Sprachraum

Ca. 2000 v. Chr. wurden die westlichen Teile der Ostsee von Indoeuropäern besiedelt: Es entstand im heutigen Dänemark, Norddeutschland, Südskandinavien aus Vermischung der einwandernden Indoeuropäer und der ansässigen Bewohner eine neue Sprache, die Germanisch bezeichnet wird.

Germanischer Sprachraum
Germanischer Sprachraum

 

 

Unterschiede zum Indogermanischen

Germanisch hat sich bereits aufgrund von tiefgreifenden Veränderungen in der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. deutlich von den benachbarten indogermanischen Sprachen unterschieden.

Unterschiede zum Indogermanischen

  • die erste Lautverschiebung
  • die Festsetzung des Akzentes auf die erste Silbe
  • die allmähliche vom synthetischen zum analytischen Sprachbau

Quellen des Germanischen

Anders als beim Indogermanisch ist das Germanisch nicht mehr nur Rekonstruktionen. Es gab

  • Runeninschriften
  • sie wird vor allem bei lateinischen Autoren erwähnt
  • aus Lehnwörtern aus Nachbarsprachen
  • vollständige Quelle: Codex Argenteus: Wulfila-Bibel in gotischer Sprache
  • Rekonstruktionen: Allerdings kommt man auch hier nicht ohne  Rekonstruktion aus.

Germanische Quelle: Runeninschriften

Runen/Runenschrift ist eine der Hauptquellen für das Germanische (Schriftzeichen der Germanen). Bis ins 14. Jahrhundert nach Christus wurden unterschiedliche Alphabete verwendet. Ihre Verbreitung zeigt in den südskandinavischen Raum, sie hat sich nie zu einer Buch- oder Urkundenschrift entwickelt. Sie wurde v.a. für Münzinschriften, auf Gräbern, Speerspitzen, für Schmuck verwendet. Etwa 5000 germanische Runeninschriften findent sich auf Speerspitzen, Spangen oder Steinen, davon ca. 20 aus dem 3. Jh. n. Chr.

Jedoch ist die Etymologie des „neuhochdeutschen“ Rune ist nicht restlos geklärt:

  • es kann von „raune“ – Geheimnis kommen,
  • aber auch  von „run“ – ritzen

(Quelle: Düwel, Klaus (2001): Runenkunde. 3. Auflage. Verlag J.B. Metzler, Stuttgart, Weimar.)

Runenalphabete des Germanischen: „Futhark“

Futhark wird hauptsächlich eingeteilt in das ältere Futhark und in das jüngere Futhark. Die Reihenfolge der Runen ist schon sehr lange bekannt. Sie unterscheidet sich von der Reihenfolge unseres Alphabets. Dabei benennen die ersten sechs Buchstaben den Namen der Runenreihe F-U-TH-A-R-K

  • Älteres Futhark: Dieses besteht aus 24 Runen. Sie ist die älteste überlieferte Runenreihe. Sie war vor allem im Norden verbreitet.
Älteres Futhark
  • Jüngeres Futhark: Dieses Futhark wurde schrittweise zu 33 Runen ausgebaut: Dieses fand sich vor allem im sächsischen und im skandinavischen Raum, wo es jeweils eine unterschiedliche Entwicklung nahm.

Älteste Beispiele für das Germanische

  • Inschrift auf dem Helm von Negau (in Slowenien), gehört zu den ältesten Inschriften/Helmen: Seine Berühmtheit verdankt der Helm seiner Inschrift: harigastiteiva – auf der Krempe. Es wird von links nachrechts geschrieben: Die Inschrift nennt vermutlich den Namen des Besitzers Harigast. Die Inschrift auf dem Helm von Negau zählt (unabhängig von der Deutung der Bedeutung) zu den ältesten, sprachlichen, germanischen Sprachdenkmälern.
  • Goldhörner von Gallehus: Dabei handelt es sich um zwei aus Gold gefertigte Trink oder Blashörner. Sie stammen aus ungefähr 400 n. Chr. Sie sind die berühmtesten archäologischen Funde Dänemakrs. Auf den Goldhörnern finden sich auch Tier und Sternfiguren. Am kleineren Horn findet sich die Inschrift.

Quellen des Germanischen in lateinischen Texten

Erste Quellen des Germanischen findet man bei Plinius des Älteren: In seiner 20 bändigen Abhandlung über die Kriege mit den Germanen hat er hat einige Begriffe aus dem germanischen übernommen und sie in seinen Text „eingeflochten“.

Weitere Beispiele finden sich bei Caesar in De Bello Gallico: Hier gibt es zahlreiche Beschreibungen über die Germanen. Gleichzeitig verwendet er viele Wörter aus dem Germanischen.

Auch bei Tacitus findet sich viel über die Germanen: Sein Werk Germania ist eine ethnographische Schrift über die Germanen. Zu diesem Zeitpunkt war das römische Reich auf seinem Höhepunkt. Im Norden grenzte das römische Reich an das Land der Germanen. Die politische Situation schwankte zwischen Arrangement und Bekämpfung. In Germania stellt Tatictus die Sitten und Gebräuche der Germanen dar. Er hebt die ihm zur Folge sittliche Lebensweise der Germanen hervor: Sie seien treu und aufrichtig, hätten strenge Familienstrukturen, seien tapfer im Krieg, aber auch trinksüchtig, träge und sie liebten das Würfelspiel.

Die Wulfila Bibel

Eine bedeutende Quelle für das Gotische ist Wuliflas Bibel. Diese Gotenbibel stammt aus dem 4. Jahrhundert. Sie ist die Übersetzung des Neuen Testaments der griechischen Bibel durch Bischof Wulfila. Von der Wulfilabibel sind mehrere Handschriften, der sogenannten Codex Argenteus, aus dem 6. bis 8. Jahrhundert erhalten. Diese bestehen aus dem Neuen Testament und kleineren Teilen des Alten Testaments. Der Codex Argenteus ist auf ein purpurfarbenes Papier mit Goldtinte geschrieben. Er befindet sich in Uppsala. Dieses Schriftstück ist das einzige vollständig erhaltene germanische Textzeugnis. In der Wulfila Bibel findet sich das Vater Unser in gotischer Sprache.

atta unsar þu ïn himinam

weihnai namo þein

qimai þiudinassus þeins

wairþai wilja þeins

swe ïn himina jah ana airþai

hlaif unsarana þana sinteinan gif uns himma daga

jah aflet uns þatei skulans sijaima

swaswe jah weis afletam þaim skulam unsaraim

jah ni briggais uns ïn fraistubnjai

ak lausei uns af þamma ubilin

unte þeina ïst þiudangardi

jah mahts jah wulþus ïn aiwins

amen

Germanische Stammesdialekte

Bronzezeit: Aus dem Wortbestand stellt man fest, dass die Germanen gegenüber ihren Vorfahren Fortschritte gemacht hatten. Sie wohnten besser, sie hatten besseres Werkzeug und Gewand. Die Germanen kannten bereits Seife, Schifffahrt, König, Volk, es gab ein Staats- und Rechtswesen.

Jedoch blieben die Germanen nicht in ihrer Heimat. Schon in der jüngeren Bronzezeit begannen Wanderbewegungen. Diese dauerten über 1500 Jahre und gipfelten in der Völkerwanderung (4./5. Jhd. n. Chr.). Nahezu die ganze germanische Welt war in Bewegung.

In Folge dieser Migration von Stämmen lötse sich diese gemeingermanische Sprache in deutlich abgegrenzte Stammesdialekte auf. Aus den Wanderbewegungen, nach Süden, Osten und Westen, zerfiel das ursprüngliche Germanisch daher. Es konnte keine einheitliche Sprache bleiben. Man spricht daher von germanischen Stammessprachen: bis 500 n. Chr.

Drei wichtige germanische Stammessprache

  • das Nordseegermanische (rot) daraus entsteht niederdeutsch und engl.
  • das Weserrhein-germanisch aus dem Franz. entstand orange
  • in Gelb: das Elbgermanisch: daraus entstand: alemannisch, bayrisch – > Hochdeutsch

Der Einfluss des Lateinischen

Im Vergleich zum römischen Reich war der germanische Raum damals ein „Entwicklungsland“. Es kam daher zur einer großen Beeinflussung des germanischen Raums durch die Römer. Man übernahm viel aus dem Lateinischen: verschiedene Gegenstände, Dinge und Bezeichnungen wurden aus dem Lateinischen übernommen. Man spricht von der ersten lateinischen Einflusswelle (Latein nimmt auch später immer wieder Einfluss auf das Deutsche).

Dieses Lehngut bestand aus rund 550 Wörtern, die um diese Zeit aus dem Lateinisch-römischen übernommen wurden.

Diese Lehnwörter stammen beispielsweise aus folgenden Bereichen:

  • aus dem Haus- und Wohnbereich/steinerner Hausbau: Mauer, Pfeiler, Ziegel, Kalk, Pfeiler, Fenster, Kammer,  Keller, etc.
  • Handel und Verkehr: man übernahm die Sache und damit auch die Wörter: Markt, kaufen, Pfund, Karren, etc.
  • Garten- und Weinbau: Keltern, Wein, pflanzen, Kirsche, Zwiebel, Rettich
  • Törggelen: kommt aus dem lat. 200 n. Chr.: torquere, die Torquel,
  • Bequemlichkeiten: Tisch, Spiegel, Kissen, Kerze
  • Wortbildungselemente: -arius wird zu Mittelhochdeutsch. -ære und zu Neuhochdeutsch -er

Alle sind Bestandteil der heutigen schriftdeutschen Sprache

Die Siebentage-Woche

Die Germanen übernahmen auch die Siebentage-Woche, die orientalischen Ursprungs ist. Die römischen Gottheiten wurden germanischen gleichgesetzt. Die Wochentagsbezeichnugnen wurden lehnübersetzt: aus luna wurde mana-tac (Montag). Sie sind daher uralt, ohne den Kontakt zu den Römern jedoch nicht denkbar.

Lehnbeziehungen zwischen dem Lateinischen und Germanischen

Sprachliche Merkmal des Germanischen

  • 1. germanische Lautverschiebung,
  • Vernerschem Gesetz und Grammtischem Wechsel
  • Festlegung des Freien Wortakzentes auf die erste Silbe
  • Ausbau des Wortbestandes
  • Alte Formen verschwinden
  • Neue Formen kommen dazu

Formen verschwinden

  • Reduktion der grammatischen Numerusdifferenzierung: Dual verschwindet
  • Kasusreduktion: Ablativ, Vokativ, Lokativ,… verschwinden
  • Verschwinden von Verbalformen: Medium und Aorist verschwinden

Neue Formen

  • Entstehung des analytischen Perfekts + Futurs
  • Entstehung des analytischen Passivs
  • Neue Klasse von Verben: schwache Verben, ohne Ablaut, mit Dentalsuffix

Die Lautverschiebung

Die Lautverschiebung ist der wichtigste Unterschied zwischen dem Germanischen und dem Indogermanischen. Diese Lautverschiebungibt es ausschließlich in Richtung des Germanischen! Alle anderen Sprachen – zB die Romanischen – haben diese Sprachverschiebung nicht.

Beispiele:

gelb: Stimmlose Verschlusslaute, rosa: stimmhaft, )

Die Germanischen Verschlusslaute haben sich verschoben – man weiß nicht warum.

Wechsel: Pater – padre – pere – germanisch/englisch wurde zu father, vater

Lautverschiebung ist ein typisches germanisches System. Es gab aber auch Ausnahmen.

Vernersches Gesetz

Vernersches Gesetz: Der dänischen Wissenschaftler Carl Verner hat erkannt, dass viele dieser Veränderungen aufgrund bestimmter Akzentverhältnisse durchgeführt wurden. Als Folge dieser unterschiedlichen Akzentsetzungen haben wir den grammatischen Wechsel bis heute virulent.

Grammatischer Wechsel: von f und b, d und t, k, h, g, s und r in etymologisch verwandten Wörtern

Im Neuhochdeutschen beispielsweise zwischen

Hefe: hebt den Teig, -> Hefe und Hebamme sind daher etymologisch verwandt. -> beide heben (f -> b: man spricht von grammatischem Wechsel)

Knödel und Knoten sind verwandt

Scheide (Wasserscheide) und Scheitel sind verwandt: beide scheiden etwas

Frost und frieren, verlieren und Verlust.

Festlegung des Freien Wortakzentes auf die erste Silbe

Die Akzentfestlegung hatte gravierende Folgen, denn die anderen Silben hinten werden abgeschwächt: Die Ausspracheenergie liegt auf der ersten Silbe. Dadurch wurden auch Stabreime möglich. (z. B: Manner, mag man eben, Katzen würden Whiskas kaufen). -> Akzent steht auf der ersten Silbe

Verschwundene Formen

Verschwunden sind in germanischer Zeit: Aurist, Optativ, Ablativ des Lateinischen, Vokativ, Lokativ

Neue Formen

Mit den germanischen Stammesdialekten entwickelt sich der analytische Sprachbau: Ausdruck von Person, Tempus, Genus Verbi, etc. braucht es mehrere Wörter

Laudavi im Lateinischen: 1. Person, Perfekt, Aktiv, -> synthetischer Sprachbau

ich habe gelobt -> analytischer Sprachbau

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