John Krakauer – In eisige Höhen

Das Drama am Mount Everest

Am 10. Und 11. Mai 1996 kam es bis dahin zur größten Tragödie bei der Besteigung des höchsten Berges der Welt, des Mount Everest. Bei dieser Besteigung waren mehr als 30 Bergsteiger knapp unterhalb des Gipfels als ein Sturm aufzog. Acht Menschen fanden den Tod, andere kamen nur knapp mit dem Leben davon, teilweise bezahlten sie mit dem Verlust von Fingern, Zehen und Armen. Von den Ereignissen, die zu dieser Tragödie führten handelt der Tatsachenbericht von John Krakauer – In eisige Höhen: Das Drama am Mount Everest

John Krakauer, Autor, Journalist und Bergsteiger, wurde vom Outdoor Magazin Outside beauftragt, einen Bericht über die „Kommerzialisierung des Everest“ zu schreiben. Der Bericht wurde kurz nach dem Ende der Expedition veröffentlicht, Krakauer jedoch hatte das Gefühl – da er stark unter den Eindrücken der Expedition litt – er müsse eine besser recherchierte, eventuelle Unstimmigkeiten beseitigende Version der Ereignisse schreiben. Daraus entstand dann der Roman In eisige Höhen.

Gipfelfieber ohne Wenn und Aber – Am Dach der Welt

Krakauer beginnt seinen Bericht mit einem Rückblick auf die Ereignisse von denen er ausgeht, dass sie dem Leser bereits bekannt sind. In Folge beschreibt er, wie es dazu kam, dass er bei den Ereignissen dabei war. Krakauer wechselt in seiner Erzählung zwischen der Beschreibung der Teams, der Bergführer und der teilweise sehr unerfahrenen Bergsteiger. Dazwischen beschreibt er einzelne Etappen der Gewöhnung an diese unmenschliche Höhe, die eine Regeneration der ausgelaugten Körper nicht mehr möglich macht. Immer wieder kommen verschiedene Bergsteiger zu Wort und berichten aus ihrer Sicht. In In eisige Höhen gibt der Autor in einem kurzen Rückblick in die Geschichte der Besteigung des Mount Everest: von den ersten Besteigungsversuchen in den 20ern bis zur tatsächlichen Erstbesteigung 1953 durch Edmund Hillary und seinem Sherpa Tenzing Norgay. Auch die zahlreichen Toten, die der Berg forderte, bleiben nicht unerwähnt. Bei nahezu jeder Expedition stolpern – im wahrsten Sinne des Wortes – die Besteiger über Leichen, die der Mount Everest bisher forderte.

Höhenlager, Everest
Quelle: Matt Dickinsen: The Other Side of Everest, Seite124.

In eisige Höhen ist aber nicht nur eine Geschichte des Everest oder eine Beschreibung der Teammitglieder, Krakauer hat einerseits versucht, die Ereignisse in die richtige Reihenfolge zu bringen, andererseits setzt er sich mit dem Verhalten und den Entscheidungen auseinander, die zu diesem großen Unglück am Everest geführt haben. Er zeigt, wie unmenschlich die Todeshone (Höhen über 7000 Meter) ist und wie trotzdem Menschen davon besessen sind, diesen höchsten Berg der Welt zu besteigen. Krakauer spart nicht mit Kritik an den Fehlentscheidungen, die getroffen wurden, gibt auch selbst zu, Fehler gemacht zu haben. Vieles führt er auf die, durch Sauerstoffmangel benebelten, Gehirne zurück. Am Ende erscheint es fast als Wunder, dass damals doch viele überlebt haben, in einem Sturm mit 150 km/h Windgeschwindigkeit, Temperaturen von -75°, einer Sichtweite, die zwischen 0 und 150 Metern lag, teilweise konnten die Bergsteiger ihre eigenen Füße nicht mehr sehen, und einer Höhe von ca. 7800 Metern.

Obwohl in diesem Roman von Anfang an die Ereignisse um die Tragödie bekannt sind, gelingt es Krakauer mit In eisigen Höhen einen eindrucksvollen, gut recherchierten Tatsachenbericht vorzulegen, der bis zum Schluss spannend bleibt. Einerseits ist der Stil sachlich, andererseits zeichnet er Bilder, die den Leser mitnehmen in diese Welt aus Eis und Schnee. Bei der Überquerung des Khumbu Eisgletschers – mit 100te Metern tiefen Gletscherspalten – mit Steigeisen über wackelige, notdürftig fixierte Eisenleitern schwingt beim Lesen die Angst mit, die die Bergsteiger gefühlt haben müssen. Krakauer nimmt den Leser mit ins Herz der Tragödie und man fragt sich, warum nur tun Menschen sich das (freiwillig) an? Warum übt der Berg so eine Faszination aus, sodass alle Vorsichtsmaßnahmen im Angesicht des Gipfels über den Haufen geworfen werden?

Aufarbeitung des Unglücks

Neben In eisige Höhen von John Krakauer, der mit diesem fundierten Tatsachenbericht den Pulitzer Preis bekommen hat, haben auch andere Teammitglieder die Ereignisse durch Buchveröffentlichungen aufgearbeitet.

Hier ein kleiner Auszug der langen Liste:

  • Lene Gammelgaard: Die letzte Herausforderung. Wie ich die Tragödie am Mount Everest erlebte. Sie war im Team von Scott Fischer (John Krakauer war im Team von Rob Hall) und war die erste Skandinavierin am Gipfel des Mount Everest.
  • Matt Dickinson: The other side of Everest. Climbing the North Face through the Killer Storm. Dickinson bestieg den Gipfel über die Nordseite, die wesentlich anfspruchsvoller als die Südseite sit. Bei der Tragödie kamen drei der verunglückten Bergsteiger über die Nordroute. Er war der erste Britische Filmemacher, der am Gipfel des Everest filmte und heil vom Gipfel zurückkehrte. (Filmtitel: Summit Fever)
  • David Breashears und der Österreicher Robert Schauer: Während der Tragödie war auch ein IMAX-Film-Team am Mount Everest. Geplant war ein Film über den Mount Everest, die Dreharbeiten wurden jedoch unterbrochen, um den Verunglückten zu helfen. In ihrem Film Everest – Gipfel ohne Gnade kommen viele der Überlebenden zu Wort.
  • Herbst 2015: Im September 2015 erscheint neuerlich ein Film über die Ereignisse 1996 am höchsten Berg der Welt: Everest. Hier der Trailer:

    ARVE Fehler: id und provider shortcode Attribute müssen für die alten Shortcodes gesetzt sein. Es ist empfehlenswert auf den neuen [arve] Shortcodes zu wechseln der nur die URL braucht.

In eisige Höhen - BuchcoverJohn Krakauer – In eisige Höhen: Das Drama am Mount Everest

Taschenbuch: 405 Seiten

Verlag: Piper (1. April 2000)

John Krakauer – In eisige Höhen
5 (100%) 1 vote

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.