Gilgamesch-Epos – der Inhalt

Das Gilgamesch-Epos erzählt vom sagenhaften König Gilgamesch. Der König ist zu zwei Dritteln Gott und zu einem Drittel Mensch. Er ist der Herrscher  über den sumerischen Stadtstaat Uruk. Hier gibt es die Hintergründe zum Gilgamesch-Epos.

Inhalt des Gilgamesch-Epos

  • Prolog – 1. Tafel

Das Epos beginnt mit einem Prolog (Vorwort): Zusammenfassung des gesamten Textes phrasenartig (etwa wie ein Teaser in Zeitungen). Die Details folgen dann später im Text. Der Dichter spricht über die Verschriftlichung des Textes. Es gibt metafiktionale Verweise. Der Verfasser des Textes reflektiert über das Geschriebene.  (Mit „Der“ ist Gilgamesch gemeint)

  • Unzufriedenheit der Bewohner – 1. Tafel

In der Stadt Uruk, unter dem Herrscher Gilgamesch waren die Menschen sehr unzufrieden, daher beschlossen die Einwohner sich bei den Göttern zu beschweren. Grund für die Unzufriedenheit: Gilgamesch hatte das Recht auf die 1. Nacht von Frischvermählten (= jus primae noctis – zum Teil in manchen Gegenden bis zur Neuzeit).

Bau der Stadtmauer

  • Erschaffung Enkidus – 1. Tafel

Anu – der Stadtgott von Uruk – muss etwas gegen die Unzufriedenheit der Menschen machen und befiehlt der Göttin Aruru etwas zu unternehmen. Diese schafft aus Ton Enkidu (übersetzt: wilder Mann) und haucht ihm Leben ein (vergl. Bibel). Dieser soll Gilgamesch töten oder zumindest zur Vernunft bringen.

Enkidu war behaart und wild und lebte bei den wilden Tieren (nicht bei den Menschen), deren Beschützer er war.  (Dargestellt wird er häufig mit einem Affenkopf)

  • Klage des Jägers – 1. Tafel

Als ihr Gefährte beschützte Enkidu die Tiere. Dies führte zu Klagen der Jäger.

  • Plan des Jägers – 1. Tafel

Der Jäger erbittet eine Frau von Gilgamesch, damit diese Enkidur mit ihren weiblichen Reizen betören und besänftigen soll.

  • List der Schamkat – 1. Tafel

Enkidu vergnügt sich daraufhin 7 Tage mit einer Frau, Schamkat, und kehrt dann zu seinen Tieren zurück. Diese erkennen ihn jedoch nicht wieder und er kann ihnen nicht mehr folgen. (Vergl: männliche Stärke durch Frau gebrochen: Samson; Sündenpfuhl Adam und Eva)

Bis dahin: Enkidu hat keinen Verstand: Er lebt in einer Art paradiesischer Zustand, und von dort wird er durch die Verführung der Frau in die Gesellschaft geholt (Vgl: Neolithische Revolution)

  • Enkidus Verwandlung – 2. Tafel

Enkidu schließt sich der Frau an, sie verlassen gemeinsam die Steppe Richtung Stadt (von der Wildnis zur Zivilisation). Enkidu bekommt unterwegs Brot und Bier und weiß zunächst nicht, was er damit anfangen soll. Es muss ihm erst gelehrt werden (ein weiterer Schritt Richtung Zivilisation). Er wird dann selbst zum Jäger. (Die entspricht einer Mythologisierung der Neolithischen Revolution).

  • Enkidu trifft auf Gilgamesch – 2. Tafel

Gilgamesch hat bereits von Enkidu geträumt und erwartet ihn. Es kommt zu einem sehr wilden Kampf. Plötzlich ändert Gilgamesch seine „Taktik“ (hier fehlen Textteile, daher ist nicht klar, warum): er hält inne und umarmt Enkidu und sie werden Freunde.

  • Chumbaba – 2. Tafel

Nun ist Enkidu durch Freundschaft an Gilgamesch gebunden. Chumbaba der Wächter im Zedernwald (wahrscheinlich Libanon) soll bekämpft werden und anschließend ein (bestimmter) Zedernbaum gefällt werden.

  • Motivation für Heldentaten – 2. Tafel

Enkidu erklärt, warum er bei dem Kampf mitmachen will: er will Unsterblichkeit erlangen (= im kollektiven Gedächtnis bleiben nur Heldentaten haften).

  • Weg zum Zedernwald – 3. Tafel

Sie brauchen drei Tage für einen Marsch von einem Monat + 15 Tagen (vgl: Siebenmeilenstiefel).

Chumbaba ist schrecklich und Gilgamesch will einen Rückzieher machen, jedoch kann Enkidu ihn an der Flucht hindern. Es kommt zum Kampf. Die Mutter von Gilgamesch hat ihnen „unterstützende Winde“ mitgegeben, die setzen sie gegen Chumbaba ein.

  • Traum – 4. Tafel

Während der Reise hatte Gilgamesch mehrere Träume: beispielsweise stürzt eine Felswand auf zwei Mücken herab, doch diese können fliehen.

Enkidu deutet den Traum: frühestes Beispiel für eine Interpretation (Suche nach verborgenem Sinn)

Der Traum als Metapher um auf die Wirklichkeit Rückschlüsse zu ziehen: Mücken stehen für Gilgamesch und Enkidu. Fluch vor Felswand: wir werden gegen Chumbaba siegen.

  • Chumbaba – 5. Tafel

Gilgamesch und Enkidu treffen auf den schrecklichen Chumbaba. Gilgamesch will fliehen, doch Enkidu bestärkt ihn zu bleiben und zu kämpfen. Gott Schamasch rät ihnen Chumbaba sofort anzugreifen, da er seine sieben glänzenden Mäntel noch nicht trägt. Schamasch – im Auftrag der Mutter von Gilgamesch – lässt alle Winde los. Dies verwirrt Chumbaba und so gelingt es Gilgamesch und Enkidu ihn zu töten.

Chumbaba versucht, um sein Leben zu retten, mit Hilfe von Enkidu Gilgamesch zu beeinflussen. Doch es nützt nichts. Enkidu fordert Gilgamesch auf, Chumbaba rasch zu töten, damit die Götter nicht herausfinden, was sie tun. Daraufhin tötet dieser Chumbaba und sie fällen die Zeder, um ein Floss zu bauen. Damit wollen sie  den Euphrat bis nach Nippur  befahren. Dort soll ein Tempeltüre aus dem Zedernholz gemacht werden.

  • Ischtars Avancen – 6. Tafel

Sie ziehen feierlich in die Stadt ein (Gilgamesch wäscht sich, macht sich schön – vgl. Einzug Enkidus in die Stadt). Die Liebesgöttin Ischtar verliebt sich in ihn. Sie macht ihm Versprechungen, ködert ihn mit einem schönen Wagen. Gilgamesch reagiert darauf untypisch und lehnt ab. Er sagt ihr, dass sie das immer so machen würde: Zuerst sucht sie sich einen aus und dann behandelt sie ihn schlecht (zB in dem sie ihn in einen Hund verwandelt). Dabei vergreift sich Gilgamesch im Ton.

Ischtar wendet sich daraufhin an ihren Vater Anu, der Gilgamesch zerstören bzw. ihr den Himmelsstier mitgeben solle. Sie bekommt den gewaltigen Stier (er kann Erdbeben auslösen und Flüsse leer saufen). Enkidu hat einen Plan, wie sie den Stier besiegen könnten: Er packt den Stier am Schwanz und stemmt sich gegen ein Hinterbein, während Gilgamesch beim Kopf den Todesstoß  ausführt. Anschließend reißen sie ihm das Herz heraus und opfern es dem Sonnengott Schamasch. Ischtar verflucht die beiden und Enkidu wiederum verflucht Ischtar und droht ihr. (eventuell wäre das ein zweites Abenteuer).

Es findet eine Ratsversammlung der Götter statt: die Strafe für Enkidu soll sein Tod sein. Dieses Todesurteil wird ihm mittels eines Traums übermittelt. Enkidu will dieses Schicksal jedoch nicht annehmen und verflucht alles und jedes, auch Schamchat (die ihn zivilisiert hat und ihm dadurch Verstand gegeben hat: er würde als wildes Tier nicht über seine Sterblichkeit nachdenken, er wäre sich dessen nicht bewusst).

OT: Beschwörungsformeln sind in der frühen Literatur nicht ungewöhnlich: zB Merseburger Zaubersprüche; oder wie man Warzen los wird, etc.)

  • Einlenken Enkidus – 7. Tafel

Enkidu wird immer schwächer. Schamasch spricht zu ihm, dass er dieses Schicksal annehmen soll. Daraufhin verzeiht er Schamchat und stirbt.

  • Enkidus Tod – 8. Tafel

Gilgamesch findet Enkidu am nächsten Tag und trauert (hier läuft die Akkulturation rückwärts: rauft sich Haare, bewirft sich mit Schmutz, wird zum Tier). Er lässt eine Statue von Enkidu erschaffen.

  • Neuorientierung – 9. Tafel

Gilgamesch läuft in die Steppe und trauert. Er erkennt, dass auch er sterblich ist! Daraufhin beschließt er zu handeln.

OT: Das Besingen Enkidus ist in Form einer Elegie: dabei wird der Tote mit alltäglichen Dingen verglichen: Weg, Zedern, etc…

  • Skorpionmenschen – 9. Tafel

Gilgamesch beschließt die Unsterblichkeit zu suchen: es gibt einen Menschen, Ut-napischtim (bedeutet: „ich habe das Leben gefunden“),  der als Mensch Unsterblichkeit erreicht hat. Auf der Suche nach ihm gelangt Gilgamesch zum Berg Maschu, dort trifft er auf die Skorpionmenschen (Mann und Frau). Sie erkennen, dass der Held 2/3 Gott und 1/3 Mensch ist. Er berät sich mit ihnen. Die Skorpionmenschen sind die Wächter vom Tunneleingang. Durch diesen Tunnel muss die Sonne durch, um am nächsten Tag wieder am Himmel erscheinen zu können (babylonischer Glaube: Sonne verschwindet am Abend im Westen in einem Tunnel, muss dann durch den Tunnel, um am nächsten Tag auf der anderen Seite – im Osten – wieder herauszukommen und dort wieder aufzugehen). Gilgamesch muss sich jedoch beeilen, damit er schneller als die Sonne ist. Plötzlich findet er sich in einem Gebiet mit Bäumen aus Edelstahl wieder.

  • Die Steinernen – 10. Tafel

Dort trifft er auf eine Wirtin, namens Siduri (in der Einöde?). Gilgamesch fragt sie um Rat: Er will wissen, wie er zum Ut-napischtim kommt. Um sein Ziel zu erreichen, muss er über das Wasser des Todes, aber nur mit Hilfe des Fährmanns Ur-Schanabi und den Steinernen (es gibt bis heute keine Erklärung, wer die Steinernen sind, man geht davon aus, dass die Zeitgenossen wussten, was das ist). Gilgamesch rennt dorthin, zerschlägt die Steinernen und wirft sie ins Wasser (es ist unklar warum). Das Wasser kann nur mit  300 Holzstangen überquert werden, die Gilgamesch besorgt. Jedoch sind diese nach 30 Meilen durch das vernichtende Wasser aufgebraucht. Aus seinem Gewand baut er ein Segel und so erreichen sie das andere Ufer. Dort trifft er endlich auf  Ut-napischtim, der erklärt ihm, dass das Sterben etwas ganz Normales sei, egal wer man ist.

OT: Vergleich: der Mensch wird hier mit einem Schilfrohr verglichen: Dieses Gleichnis bewirkt das Bild von etwas Alltäglichem: Jemand erntet das Schilfrohr auch vor seiner Zeit. Das Bild ist ähnlich einer Montage im Film: zwei Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, werden miteinander verbunden (vgl. Homer, der verwendet häufig Gleichnisse).

Trotzdem will Gilgamesch wissen, wie Ut-napischtim das ewige Leben erlangt hat. Es folgt eine lange ich-Erzählung innerhalb des Epos (Der Großteil des Epos ist in einer auktorialen Erzählweise, obwohl Gilgamesch das Epos einmeißeln ließ, ist es nicht aus seiner Perspektive erzählt).

  • Sintflut – Überwindung des Todes – 11. Tafel

Vor langer Zeit zürnten die Götter den Menschen und planten ihre Zerstörung durch die Sintflut. Ein Gott erzählt Ut-napischtim davon und rät ihm eine Arche zu bauen und einen Spross von jedem Lebewesen mitzunehmen. Daraufhin baut er eine 9stöckige Arche, damit alle Platz haben (vgl: Noah-Geschichte: Sensation, als diese Tafeln gefunden wurden). Und wie Noah wurde er angehalten, 7 Tage auf der Arche auszuhalten, dann strandet er am Berg Maschu. Er schickt Tauben aus und einen Raben, da der Rabe nicht mehr zurückkommt, erkennt er, dass das Wasser sinkt und er verlässt das Schiff. Auch wie Noah bringt er ein Opfer dar, dies lockt die Götter an, die verwundert sind, dass ein Mensch überlebt hat und so beschließen sie, ihm das ewige Leben zu schenken. Jedoch Muss Ut-napischtim am Ende der Welt leben. Gilgamesch will wissen, wie er es anstellen könne, das ewige Leben zu erlangen. Ut-napischtim meint, dass Gilgamesch dazu nur 7 Nächte und 6 Tage nicht schlafen müsse, dann könne er den Tod überwinden (Der menschlicher Zyklus muss durchbrochen werden: der Schlaf wird häufig als kleiner Tod gesehen – kann man diesen durchbrechen, kann auch der große Tod durchbrochen werden).

Er ist überzeugt davon, dass er das schaffen kann, setzt sich hin und schläft ein. Ut-napischtim und seine Frau wissen nicht, was sie jetzt tun sollen, wenn sie Gilgamesch wecken, sagt er bestimmt, dass er nicht geschlafen hat, daher erdenken sie eine List. Sie bäckt jeden Tag ein Brot, legt es neben Gilgamesch und macht ein Zeichen an die Wand. Nach 7 Nächten wecken sie ihn auf und er sagt „fast hat mich der Schlaf erwischt“.  Jedoch können Ut-napischtim und seine Frau am Zustand des Brotes (von schimmlig bis hart) beweisen, wie lange Gilgamesch geschlafen hat („geniale“ Idee um Zeit sichtbar zu machen). Gilgamesch ist darüber sehr traurig und macht sich mit dem Fährmann auf die Heimreise. Da hat Ur-schanabi (der Fährmann) eine Idee wie Gilgamesch das ewige Leben erreichen kann.

Gilgamesch zieht weiter, er bekommt jedoch den Rat, dass es ein Gewächs „Jung wird der Mensch als Greis“ gibt: dh. Es schenkt ewige Jugend. Daraufhin nimmt er sich einige Steine und taucht zum Meeresgrund, wo diese Pflanzen wachsen und pflückt davon. Während einer Rast, als sich Gilgamesch wäscht, kommt eine Schlange und frisst dieses Kraut. (Es gibt keine Erklärung, warum er nicht noch einmal taucht).

Gilgamesch erkennt sein scheitern und weint. Dann geht er mit Ur-schanabi nach Uruk zurück, dort gibt Gilgamesch seinem Begleiter den Auftrag, er solle die Mauern, die Stadt und die Größe der einzelnen Bezirke überprüfen.

  • Anhang – Tafel 12

Man geht davon aus, dass die 12. Tafel nur ein Anhang ist. Hier wird von Enkidu berichtet. Dieser ist jedoch bereits auf Tafel 7 gestorben.

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