Unsere Lesereise führt uns nun nach Myanmar (ehemals Burma/Birma). Mit dem Buch „Letters from Burma“ von Aung San Suu Kyi tauchen wir erstmals in die Welt Südostasiens ein. Darum geht es:
Aung San Suu Kyi – Letters from Burma
In Letters from Burma erzählt die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi in 52 kurzen Briefen die Geschichte der Partei, deren Vorsitz sie ist, über die Militärdiktatur, die Kultur und das Leben in Burma. Sie erzählt auch von Festen und Bräuchen, aber auch von den Traumata, die die Militärdiktatur bei den Kindern und Menschen im Land verursacht. So dürfen beispielsweise die Kinder von inhaftierten Parteimitgliedern ihre Eltern nur alle zwei Wochen für fünfzehn Minuten sehen. Ursprünglich erschienen die kurzen Texte zwischen 1995 und 1996 in einer japanischen Zeitung.
„The price of liberty has never been cheap and in Burma it is particularly high“ (Aung San Suu Kyi)
Die Autorin – Aung San Suu Kyi im Kampf für Demokratie
Aung San Suu Kyi wurde 1945 in Rangun in eine Familie geboren, die sich für den politischen Kampf für die Unabhängigkeit Myanmars einsetzte. Sein Einsatz führte zur Unabhängigkeit Birmas von Großbritannien am 4. Januar 1948. Er selbst erlebte diesen Erfolg nicht mehr mit, denn er wurde ein Jahr vorher erschossen. Ihre Mutter war die erste Botschafterin Burmas.
Aung San Suu Kyi wird politisch aktiv
Aung San Suu Kyi verbringt ihre Jugend in Indien bei ihrer Mutter. Sie studiert Politikwissenschaft in Delhi, später Philosophie, Politik- und Wirtschaftswissenschaften in Oxford. Später arbeitete sie bei den Vereinten Nationen in New York. Mit ihrem Mann zog sie dann zunächst zurück nach Oxford und 1988 wieder nach Burma, um ihre kranke Mutter zu pflegen. Dies war eine Zeit der politischen Unruhen. Das Volk kämpfte für Demokratie, es kam zu blutigen Aufständen (8888 Uprising) und dem Sturz des Militärdiktators Ne Win. Es ist die Zeit, in der Aung San Suu Kyi selbst politisch aktiv wird und erste Reden für eine Demokratie hält.
Allerdings kommt es in Burma erneut zu einer Militärdiktatur. Zu dieser Zeit wird die National League of Democracy (NLD) gegründet, deren Parteivorsitzende sie wird. Von diesem Zeitpunkt führt sie die Opposition gegen die Militärjunta, die das Land seit 1962 beherrschte. Inspiriert durch Mahatma Ghandi will die Partei ihre politischen Ziele durch zivilen Ungehorsam und gewaltfrei erreichen. Immer wieder fordert sie die Militärführung auf, die Macht an eine zivile Regierung zu übergeben. Im Jahr 1989 wird Aung San Suu Kyi das erste Mal unter Hausarrest und Isolation gestellt. Ihr Mann lebt weiter in Oxford. Von hier aus sorgt er dafür, dass seine Frau auch außerhalb Burmas bekannt wird und bleibt.
1989 wurde Burma in Myanmar umbenannt.
Hausarrest und Friedensnobelpreis für Aung San Suu Kyi
Am 14. Oktober 1991 wurde Aung San Suu Kyi für ihren gewaltfreien Einsatz für Demokratie und Menschenrechte mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Zu diesem Zeitpunkt stand sie immer noch unter Hausarrest. Ihr Mann und ihre beiden Söhne nahmen in Oslo stellvertretend den Friedensnobelpreis entgegen. Erst mehr als 20 Jahre später sollte sie selbst die Dankesrede halten, denn sie wurde jahrelang mit Hausarrest, unfairen Prozessen und Einschüchterungsmethoden konfrontiert. Selbst die Vereinten Nationen setzten sich für sie ein. Erst am 13. November 2010 wurde Aung San Suu Kyi aus dem Hausarrest entlassen. Am 6. Dezember 2000 verlieh US-Präsident Bill Clinton ihr die Freiheitsmedaille („The Presidential Medal of Freedom“). Dies ist die höchste zivile Auszeichnung in den USA.
Von der Staatsrätin in den Hausarrest
2012 zog Aung San Suu Kyi mit 33 weiteren Mitgliedern der NLD ins Parlament von Myanmar ein. Nun begann ihr Aufstieg zur zentralen politischen Figur Myanmars auf. 2015 errang ihre Partei, die National League for Democracy, eine erdrutschartige Mehrheit, und sie wurde zur Staatsrätin („State Counsellor“) ernannt – faktisch Regierungschefin – sowie Außenministerin. Während ihrer Amtszeit blieb sie international in der Kritik, insbesondere wegen ihres Umgangs mit der Rohingya-Krise und der Verteidigung des Militärs vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Am 1. Februar 2021 stürzte das Militär die zivile Regierung, verhaftete Suu Kyi und setzte sie erneut unter Hausarrest. In den Folgejahren folgten zahlreiche Anklagen und Gerichtsverfahren, die vielfach als politisch motiviert betrachtet werden. Ihr Hausarrest wurde mehrmals verlängert, zuletzt um weitere sieben Jahre.
NLD – Nationalliga für Demokratie in Burma
Die Nationalliga für Demokratie war eine Partei (1988 – 2023) war die führende Oppositionspartei gegen die Militärjunta in Burma. Sie entstand nach den Volksaufständen und dem Militärputsch 1988. 1990 wurde die Partei mit großer Mehrheit gewählt. Doch die Militärjunta verweigerte der Partei die Regierungsübernahme. Immer wieder wurden deren Mitglieder durch die Militärjunta schikaniert oder verhaftet. In ihren „Letters from Burma“ schreibt Aung San Suu Kyi von diesen Schikanen. Beispielsweise wurde immer wieder versucht, Parteitreffen zu behindern, in dem Parteimitgliedern der Zugang zu Treffpunkt verwehrt wurden.
Letters from Burma – „faschistisches Disneyland“
Aung San Suu Kyi verbindet in ihren sehr persönlichen Briefen politische Beobachtungen, kulturelle Eindrücke und philosophische Gedanken. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Porträt von Burma/Myanmar. In ihren Briefen erfährt man viel über die Feste und Bräuche, den Alltag, aber auch über buddhistische Werte und Traditionen. Auf der anderen Seite zeigt sie aber auch ein unterdrücktes Land in Armut und geprägt durch Gewalt durch die Militärdiktatur. Der Leser lernt aber auch viel über die Visionen eines demokratischen und freien Myanmar.
In ihren Briefen bezeichnet die Parteivorsitzende Burma als Gefängnis für seine Bürger und als „faschistisches Disneyland“ für Touristen. Gleichzeitig gibt es Korruption überall: von Benzin bis Strom – will man das haben, zahlt man unter der Hand. Selbst Lehrer verdienen sich ein Zubrot, in dem sie Prüfungsfragen weitergeben.
Auch wenn Aung San Suu Kyi viele Jahre unter Hausarrest stand und durch die Militärdiktatur schikaniert wurde, bleibt sie in ihrem Ton hoffnungsvoll und schafft es, die Schönheit Myanmars hervorzuheben. Trotz aller Gewalt und fehlender Menschenrechte zeigt sich auch der feine Humor von Suu Kyi in ihren kurzen Briefen.
- Titel: Letters From Burma
- Autorin: Aung San Suu Kyi
- Erschienen: Penguin Books, London, 1997
209 Seiten (in der Fassung v. 2010)
„Letters from Burma“ von Aung San Suu Kyi ist Teil unserer Lesereise rund um die Welt:
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