Unsere Buchreise geht weiter. Wir landen mit unserer „Read the World Challenge“ nun in Jordanien. Bei der Frage, welche Autorin wir lesen wollen, fiel unsere Wahl auf Fadia Faqir und ihren Roman „Willow Trees Don’t Weep“. Fadia Faqir erzählt die fiktive Geschichte einer jungen Frau, Nadjwa, die sich auf die Suche nach ihrem Vater begibt.
Inhalt: Willow Trees Don’t Weep von Fadia Faqir
Willow Trees Don’t Weep von Fadia Faqir erzählt die Geschichte der jungen Najwa, die in Jordanien aufwächst. Ihr Vater hat die Familie schon früh verlassen, um sich einer religiösen Bewegung anzuschließen, und bleibt für sie lange ein Rätsel. Nach dem Tod ihrer Mutter begibt sich Najwa auf eine Reise, die sie über mehrere Länder führt. Dabei versucht sie, die Vergangenheit ihres Vaters zu verstehen und Antworten auf ihre eigenen Fragen nach Identität und Zugehörigkeit zu finden.
Kurz erklärt: Al-Qaida
Der Roman Willow Trees Don’t Weep von Fadia Faqir ist stark in den historischen und kulturellen Kontext des modernen Nahen Ostens eingebettet. Geschichtlich verweist das Buch auf Entwicklungen seit den 1980er- und 1990er-Jahren, als politische Konflikte und Kriege in der Region diese prägten. Kulturell thematisiert der Roman die Gesellschaft in Jordanien, die zwischen Tradition und Moderne steht. Fragen von Ehre, Familie und sozialer Kontrolle spielen eine zentrale Rolle, insbesondere für Frauen.
Al-Qaida — der Aufstieg in Afghanistan
Al-Qaida entstand bereits in den 1970er Jahren. Allerdings bildete sich zu dieser Zeit nur die Ideologie heraus. Wirkliche Bedeutung erlangte diese islamistische Bewegung erst ab den 1980er Jahren mit dem Kampf der Mudschahedin gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans. Zu dieser Zeit begann auch die Anwerbung junger Menschen und die Organisation finanzieller Unterstützung. 1984 gründete Osama bin Laden gemeinsam mit einem Theologen ein Rekrutierungsbüro in Peschawar (Pakistan, 50 km entfernt von der afghanischen Grenze). Hierhin konnten sich Interessenten aus arabischen Ländern melden, um dann nach Afghanistan in den Dschihad zu gehen.
Ausbildung in Al-Qaida-Lagern
Die finanziellen Mittel wurden für den Aufbau von Ausbildungslagern und Gästehäusern genützt. Zwei Jahre später wurde das erste Ausbildungslager in Afghanistan errichtet. Al-Qaida widmet sich fortan dem Kampf gegen die Feinde des Islam. Das Niveau der Ausbildung der Dschihadisten in den Lagern in Pakistan und Afghanistan war sehr hoch. Die jungen Männer lernten den Umgang mit unterschiedlichsten Waffen von Kalaschnikows bis Panzerabwehrraketen, sie lernten taktische Maßnahmen und unterschiedliche Gefechtsszenarien.
Anschläge weltweit
10 Jahre lang versuchte die Sowjetunion in Afghanistan ein kommunistisches Regime aufzubauen. Dabei kam es zu einem Guerillakrieg gegen die Mudschaheddin. Die sowjetische Armee kontrollierte Städte, während die Mudschaheddin, unterstützt von den USA, Pakistan und Saudi-Arabien, aus dem Hinterland kämpften.
Nach dem Abzug der Roten Armee in Afghanistan nützte Osama bin Laden das entstandene Machtvakuum für eine Neupositionierung Al-Qaidas. Das Scheitern der Sowjets in Afghanistan wurde als Sieg der Mudschahedin gewertet und die Dschihadisten suchten sich neue Aufgaben, der Heilige Krieg sollte am Leben gehalten werden. 1990 fiel der irakische Herrscher Saddam Hussein in Kuwait ein. Ein Jahr später wurde er durch US-Truppen wieder vertrieben. US-Truppen nützten die Gunst der Stunde und blieben in Saudi-Arabien. Woraufhin Al-Qaida die USA zum neuen Feind erklärten. Bereits im Feber 1993 kam es zu einem ersten Anschlag als im World Trade Center eine Autobombe explodierte. Dies war der Anfang weltweiter Terroranschläge durch Al-Qaida.
Kurz erklärt: Frauen in Jordanien
Bereits im Jahr 1992 hatte Jordanien die UN-Frauenrechtskonvention unterzeichnet. Doch kam es weiterhin zu Diskriminierungen im Familien- und Strafrecht bestehen. Die Rolle der Frauen war stark auf ihre Aufgaben in der Familie begrenzt. Eine wichtige Rolle in der Familie spielt der Vater. Er ist der Hauptverantwortliche und trifft alle wichtigen Entscheidungen. Damit Frauen heiraten können, brauchen sie die Zustimmung ihres männlichen Vormunds, in der Regel ist das der Vater. Diese Rolle kann aber auch der Bruder oder Onkel übernehmen. Für Frauen, ohne männliche Verwandtschaft, werden viele Bereiche des Lebens zum Problem.
Willow Trees don’t Weep – Eine Suche
Fadia Faqir erzählt die Geschichte von Najwa, einer jungen Jordanierin, die sich auf die Suche nach ihrem Vater macht. Sie beginnt ihre Suche in der Nachbarschaft, wo sie erste Hinweise auf das Verbleiben des Vaters bekommt. Ein weiterer Weg führt sie verbotenerweise in ein Internetcafé nur für Männer. Bald weiß sie, dass sich der Vater mit seinem besten Freund Hani nach Pakistan begeben hat. Ohne männliche Unterstützung besorgt sich Najwa einen Reisepass und reist nach Pakistan. Langsam nähert sie sich an. Sie tastet sich immer weiter an die Wahrheit heran, die lange im Dunkeln bleibt. Dabei wirkt Najwa naiv und unbeholfen und dennoch kommt sie voran. Je mehr sie erfährt, desto komplexer wird das Bild – und desto weniger eindeutig lassen sich Schuld, Verantwortung und Verständnis voneinander trennen. Najwa ist auf ihrer Suche weder rebellisch noch passiv, sondern geprägt von einer stillen Beharrlichkeit.
Im Zentrum steht nicht nur die Suche einer Tochter nach ihrem verschwundenen Vater, sondern die viel grundlegendere Frage: Wie entsteht Radikalisierung – und was bleibt von den Menschen zurück, die sie zurücklässt? Fadia Faqir interessiert sich weniger für politische Analyse als für die emotionalen und biografischen Bruchstellen, an denen Ideologien wirksam werden.
Zunächst erscheint er als Leerstelle: ein abwesender Vater, dessen Verschwinden eine Lücke hinterlässt, die von der Tochter mit Fragen, Sehnsucht und Fantasie gefüllt wird. In dieser Phase ist er weniger Person als Vorstellung – idealisiert, entschuldigt, vielleicht sogar unbewusst verteidigt.
Mit fortschreitender Handlung verschiebt sich dieses Bild. Der Vater wird zunehmend als jemand erkennbar, der sich bewusst von seinem bisherigen Leben abgewandt hat. Seine Radikalisierung wirkt dabei nicht wie ein plötzlicher Bruch, sondern wie ein schleichender Prozess. Dabei wird er nicht dämonisiert, er wirkt fast wie ein Opfer, der sich verpflichtet gefühlt hat, seinen Freund zu beschützen.
Die Handlung wird dabei aus Sicht der Protagonistin Najwa geschildert. Dadurch erhält der Leser direkten Zugang zu ihren Gedanken, Zweifeln und Wahrnehmungen. Diese personale Innensicht verstärkt den Eindruck von Unsicherheit und Suche, da alles, was erzählt wird, durch Najwas subjektive Wahrnehmung gefiltert ist. Unterbrochen ist ihre Erzählung durch die Geschichte des Vaters, der seine Reise parallel zu der von Nadjwa erzählt.
Fadia Faqir — Frauen im Fokus
Fadia Faqir (*1956 in Amman) ist eine jordanisch-britische Schriftstellerin, Essayistin und Literaturwissenschaftlerin. Sie studierte englische Literatur in Jordanien und später Kreatives Schreiben in Großbritannien, wo sie auch promovierte und lange als Dozentin tätig war. Ihre literarische Arbeit ist stark von ihrer biografischen Erfahrung zwischen arabischer Herkunft und westlichem Leben geprägt.
Fadia Faqir schreibt vor allem auf Englisch und versteht ihre Literatur als Brücke zwischen Kulturen. Sie thematisiert in ihren Werken häufig das Spannungsfeld zwischen Orient und Okzident sowie Fragen von Identität und Zugehörigkeit. Im Zentrum ihres Schreibens stehen vor allem Frauenfiguren. Ein wiederkehrendes Hauptthema ist die Situation von Frauen in patriarchal geprägten Gesellschaften, insbesondere im arabischen Raum. Dabei beleuchtet sie Themen wie Unterdrückung, Ehrvorstellungen und Gewalt, aber auch Widerstand und Selbstbehauptung. . Ihre Figuren bewegen sich häufig zwischen verschiedenen Welten und erleben Entfremdung, Identitätskonflikte und soziale Ausgrenzung. Ein weiteres zentrales Thema ist das Zusammenspiel von Politik und persönlichem Leben: Konflikte, Kriege und gesellschaftliche Umbrüche wirken direkt in individuelle Biografien hinein.
Lesereise — Buchreise: Fadia Faqir für Jordanien
- Titel: Willow Trees Don’t Weep
- Erscheinungsjahr: 2014 (Englische Ausgabe)
- Autorin: Fadia Faqir
- Seiten: 288
- Verlag: Heron Books
„Willow Trees Don’t Weep“ von Fadia Faqir ist Teil unserer Bücherreise durch die Welt.
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