Homer: Odyssee – Inhalt und Erläuterung

Das Epos die Odyssee von Homer handelt von den Irrfahrten des Odysseus und seinen Gefährten. 10 Jahre war er unterwegs. Hier geht es zum Hintergrund der Odyssee.

Der Inhalt der Odyssee

Vorgeschichte – Penelopes „Belagerung“

Odysseus sitzt seit über einem Jahr auf der Insel, weil der dem Zyklopen (Sohn des Poseidon) ein Auge ausgestochen hatte und er daraufhin von Poseidon hierher verbannt wurde.

Während nun Poseidon am Ende der bekannten Welt war (Äthiopien?), sprechen die anderen Götter über das Schicksal von Odysseus und sie schicken den Götterboten Hermes zu Kalypso und lassen ihr ausrichten, sie solle Odysseus gehen lassen.

Die Frau des Odysseus  – Penelope – wird von zahlreichen Freiern belagert, da man glaubt, dass Odysseus tot sei. Weiters sei es wichtig, dass sie wieder verheiratet werde. Dies sagt viel über die Stellung der Frau während Homers Zeit aus: Frauen, die nicht verheiratet sind, sind in einem rechtlosen Zustand: Daher wird Penelope von zahlreichen Freiern belagert. Diese wollen sie heiraten um an den Besitz des Odysseus zu kommen. Sie zögert eine neuerliche Heirat mit einer List hinaus: Sie sagt, erst wenn sie ein bestimmtes „Gewebe“ fertig gestellt habe, werde sie einen der Freier erwählen. Untertags webt sie an dem Stoff und in der Nacht trennt sie das Getane wieder auf. Irgendwann erkennen die Freier die List und zwingen sie, das Gewebe fertig zu stellen.

Feste und der Sänger Phemios

Die Handlung setzt ein, als das Gewebe fertiggestellt ist: Beschreibung der ausgelassenen Feste der Freier und das Auftreten des Sängers Phemios (I 145 – 157).

Später im Text kommt noch ein weiterer Sänger – Demenikos – vor. Dieser wird gänzlich anders behandelt als Phemios. Diese Szenen geben Auskunft über die Stellung bzw. Behandlung von Sängern während der Zeit Homers: Homer will nicht so behandelt werden wie Phemios und er wünscht sich, dass die Menschen mit ihm umgehen wie mit Demenikos.

(ungefähr Zeile 200:) In eines dieser Gastmahle platzt Athene herein (sie kommt meistens in Menschengestalt um die Menschen zu verwirren; gleichzeitig dient dies zur Spannung um den Handlungsaufbau in der vorliegenden Form zu ermöglichen). Sie tritt als Mensch zu Telemach und sagt ihm, dass Odysseus lebe und er solle etwas gegen die Freier tun.

Telemach und die Freier

(ungefähr 290-514): Telemach soll sich wie ein Mann benehmen und die Freier töten. Hier folgt ein intertextueller Verweis (diese sind sehr häufig in der Odyssee): Telemach soll sich an die Taten des Orestes – den Sohn von Agamemnon – erinnern (s. v.), der seinen Vater gerächt habe (man spricht von einem intertextuellen Gleichnis – Vergleich ganzer Handlungsstränge). Ein Gleichnis entsteht durch Projektion vor dem geistigen Auge des Lesers/Zuhörer.

Athene schickt Telemach nach Phylos und von dort nach Sparta  um die Heimkehrer Menelaos und Nestor nach Odysseus zu fragen. Da Athene als Mensch kommt, kann sie ihm nicht selber sagen, wo Odysseus steckt.

Telemach ruft daraufhin eine Versammlung ein und will die Freier dazu veranlassen, ihm ein Schiff zu geben, damit er nach seinem Vater suchen könne: Telemach ist gerade volljährig geworden, bekommt nun Rechte (über seine Mutter) und wird nun zu einer handelnden Person. Dadurch wird er zu einer Bedrohung für die Freier. Gleichzeitig bezieht er nun Stellung. Es kommt daher zu einem Machtkampf zwischen Telemach und den Freiern.

Während eines Festes: der Sänger Phemios singt über traurige Begebenheiten, die Penelope direkt betreffen. Penelope will, dass er über etwas anderes singt.

Telemach schickt seine Mutter in ihr Zimmer zum Weben (wieder ein Hinweis auf die Stellung der Frau): Der erwachsene Sohn hat das Sagen über die Frau solange der Ehemann abwesend ist.

Während der Versammlung mit den Freiern kommt es zu verschiedenen Zeichen, die den Tod der Freier vorhersagen. Eines der Zeichen ist ein Vogelflug – zwei Adler wurden von Zeus geschickt. Ein Seher sagt diese „Hybris“ voraus und wird dafür verspottet. 

Telemach bei Menelaos

Athene kommt ein zweites Mal in Gestalt von Mentos (ein beistehender Ratgeber, vgl.: Mentor in unserem Sprachgebrauch) und gibt Telemach ein Schiff. Telemach fährt damit zu Nestor, der ihm aber nicht wirklich Auskunft geben kann. Daher fährt er weiter zu Menelaos nach Sparta.

Dort erzählt ihm Helena eine Anekdote über Odysseus: Dieser sei als Bettler verkleidet in die Stadt gekommen um diese auszuspionieren. Helena hat ihn erkannt und gedeckt. Odysseus hat viele getötet und konnte dann die Stadt unerkannt wieder verlassen. Helena will damit zeigen, dass sie widerrechtlich in Troja fest gehalten wurde und lieber bei Menelaos als bei Paris gewesen wäre (man spricht hier von einem Subtext).

Menealos antwortet auf ihr „Bekenntnis“: Als die wichtigsten Helden im trojanischen Pferd saßen, kam Helena mit dem Gott Deiphobos im Schlepptau zum Pferd. Sie hat die Stimmen der Gattinnen der Helden im Pferd nachgemacht. Menelaos zeigt mit dieser Erzählung, dass ihre Schilderung so nicht ganz richtig gewesen sei. Sie sei nicht so unschuldig, wie sie tut. Die Helden im Pferd hätten am liebsten auf die vermeintlichen Stimmen ihrer Frauen geantwortet, doch Odysseus erkannte die List und verhinderte, dass die Helden antworten. Aber Menelaos lenkt ein, dass sie ja vielleicht auch nur von einem Daimon getrieben gewesen sei.

Gleichzeitig zeigt die Reaktion von Menelaos, dass er sich nicht sicher sei, ob Helena ihn nicht am liebsten ins Verderben hätte rennen lassen (um bei dem jüngeren Paris bleiben zu können). Vieles geht in der Odyssee über die reine Handlung hinaus: Vieles davon wird durch die Telemachie (Parallelhandlung über die Suche des Telemachs nach seinem vermissten Vater, sie umgibt die Odyssee wie eine Klammer, erst möglich.

Odysseus trifft kann die Insel verlassen

Hermes der Götterbote wird zu Kalypso geschickt um die Freigabe des Odysseus zu erbitten. Kalypso findet den Helden am Strand sitzen und wegen der Heimkehr jammern. Er will Kalypso nicht, obwohl sie ihn will. Er muss in ihrem Bett schlafen, obwohl er sie nicht will. Odysseus will zu seiner Gattin. Weil es der Wille der Götter ist, lässt sie ihn ein Floß bauen und weiterziehen.

Nach ein paar Tagen auf See trifft Odysseus auf Poseidon, der nichts von der Flucht des Odysseus wusste. Poseidon gerät darüber in Wut und lässt einen schweren Sturm aufkommen. Mit Hilfe eines magischen Schleiers einer Nymphe kann er sich über Wasser halten und sich auf eine „Phaiaken-Insel“ retten. Dort versteckt er sich in einem hohlen Baum und schläft.

Odysseus bei den Phaiaken

Die Phaiaken sind sehr friedliebend und haben science-fiction-artige Schiffe, die sehr schnell sind und ohne Wind segeln können. Athena erschien in der Nacht zuvor der Königstochter Nausikaa im Traum: Sie solle am nächsten Tag am Fluss die Wäsche wachen. Gleichzeitig deutet Athene eine mögliche Heirat an.

Am nächsten Tag nun macht sich Nausikaa mit ihren Gefährtinnen auf den Weg zum Fluss um dort zu waschen und zu spielen. Plötzlich klettert Odysseus halbnackt aus dem Baum. Alle bis auf Nausikaa laufen davon, sie spricht mit Odysseus.

In diesem Gespräch zwischen den beiden schwingt eine Spur von Erotik mit. Unterschwellig wird mit der Möglichkeit eines Liebesverhältnisses zwischen den beiden gespielt. Es gibt eine erotische Anziehungskraft zwischen den beiden. Dies führt dazu, dass sich der Leser Gedanken über dieses Verhältnis macht und sich fragt, ob Odysseus für Nausikaa seine Frau verlassen würde.

Damit kein Verdacht aufkommt, darf Odysseus letztendlich doch nicht mit ihr in die Stadt fahren: Athene hüllt ihn in einen Nebel und er erreicht ungesehen die Stadt. Der König Alkinoos und seine Frau Arete werden von Homer als ideale Königsfamilie geschildert. Hephaistos hat für den Hof des Alkinoos Hunde geschmiedet. Der Garten ist ein „locus amoenus“ (paradiesartiger Garten, vgl.: Schlaraffenland, Garten Eden): Das ganze Jahr hindurch wachsen die Früchte. Diese utopische Vorstellung dieses Gartens ist für andere paradiesische Orte in der Literatur von Bedeutung. 

Odysseus darf vorerst am Hof bleiben und soll dann nach einem Festmahl nach Hause gebracht werden. Odysseus hat sich nicht zu erkenne gegeben. Die Phaiaken wissen daher nicht, dass es sich bei dem Fremden um den König Odysseus handelt. In der Stadt der Phäaken wendet sich Odysseus an die Mutter Arete und bittet sie beim König Alkinoos ein gutes Wort für ihn einzulegen.

Die Insel der Phaiaken

Die Insel der Phaiaken ist eine positive Utopie (= Eutopie): (S115-117) hier sind die Kunstwerke „unsterblich“, der Garten ist ein Paradies, es herrscht ewiger Frühling, alle Früchte reifen schon, während die anderen die Blüten abwerfen.

Die Insel der Phaiaken ist das genaue Gegenteil von Ithaka: hier lebt ein guter König, deswegen herrschen paradiesische Zustände, auf Ithaka herrscht ein schlechter König: Odysseus ist schon seit 20 Jahren unterwegs und das Reich herrscherlos. Deswegen gibt es auch keine paradiesischen Zustände.

Odysseus, noch immer unerkannt, bittet den König heim fahren zu dürfen (mit den Schiffen ohne Antrieb).

Odysseus zwischen Realität und Utopie

Die Odyssee oszilliert zwischen zwei Polen: einerseits gibt es die homerische, reale Welt (mit realen Völkern und realen Orten), andererseits die Utopie bzw. Märchenwelt (Phäaken und andere Orte, die man vergeblich auf der Landkarte suchen würde). Bereits in der Antike gab es Kommentare zur Odyssee. Diese machen deutlich, dass es Orte in der Odyssee gibt, die nicht existent sind: zB Phaiaken-Insel.

Utopie und reale Welt sind in der Odyssee durch eine 9tägige Schifffahrt voneinander getrennt.

Es gibt ein Fest, bei dem der blinde Sänger Demodokos auftritt. Dieser „Auftritt“ zeigt den idealen Sänger in idealer Gesellschaft: er wird bei dem Fest bedient und reichlich bewirtet. Das ist Utopie: Homer stellt sich so die ideale Behandlung vor. Gleichzeitig ist es ein Aufruf an seine Zuhörer, dass sie ihn auch so behandeln sollten. Dies ist eine Reflexion des Dichters über seine Lage. (Vgl. anderen Sänger in der Odyssee)

Der Gesang des Demodokos

Demodokos singt vom trojanischen Krieg, beispielsweise vom hölzernen Pferd und von Odysseus. Dies zeigt die Metafiktion (intertextueller Verweis): Verweis im Text auf etwas, das Teil der Handlung ist. Ähnliches findet sich auch in Vergils Aenais. Deser sieht Fresken an der Wand und sieht dort seinen eigenen Leidensweg. Er ist davon beeindruckt.

Odysseus hört seine eigene Geschichte und verhüllt sich und weint. Der König erkennt die Rührung des Odysseus. Odysseus bittet den Sänger etwas anderes zu singen, daraufhin ergibt sich Odysseus zu erkennen. Er berichtet nun von seinen Taten bzw. Irrfahrten: Es folgt eine sehr lange Rückblende in Ich-Erzählung.

Die Rückblende – die Irrfahrten des Odysseus

Es folgen nun alle bekannten Erlebnisse (Gesänge 9 – 12): Nach dem Fall Trojas trieben sie – Odysseus und seine Krieger – 9 Tage auf See und kommen zuerst zu den Kikonen und von dort zu den Lotophagen. Dort droht ihnen das Vergessen: Durch eine bestimmte Speise würden sie vergessen, dass sie nach Hause wollen.

Odysseus bei den Kyklopen

Dann folgt die Geschichte auf der Kyklopen-Insel. Dadurch zieht sich Odysseus auch den Unmut des Poseidon zu. Odysseus geht mit seinen Männern in die Höhle des Kyklopen Polyphen sperrt sie in der Höhle ein und frisst einen Teil von ihnen auf. Odysseus denkt sich eine List aus. Er benennt sich selbst Niemand und sticht dem Kyklopen das eine Auge in der Mitte der Stirn aus. Somit kann dieser Odysseus nicht mehr erkennen. Auch spätere Hilferufe fruchten nicht, da der Kyklop schreit, dass „niemand“ ihm das Auge ausgestochen hätte.

Daraufhin bindet Odysseus sich und die Seinen an die Schafe des Kyklopen. Als dieser die Schafe streichelt, um zu erkennen, ob es wirklich die Schafe seien, die er hinaus lässt, merkt er nicht, dass Odysseus auch dabei ist. Als die Flucht geglückt ist, gibt sich Odysseus in seinem Übermut zu erkennen und zieht sich damit den Zorn des Poseidon (Vater von Polyphem) zu.

Auf den Inseln

Nach 9 Tagen Fahrt erreichen sie die Insel des Aiolos und von dort  geht es weiter zu den Laistrygonen. Auch hier bleiben sie nur kurz und erreichen dann die Insel der Zauberin Kirke. Hier bleiben sie ein Jahr. Hier wird Odysseus von Kirke in den Hades geschickt. Kosmische Abenteuer erfordern das Eintauchen in die Unterwelt. (vgl. Gilgamesch Epos/Wasser des Todes): Hier ist das Land Erebos, das Land der ewigen Dunkelheit. Odysseus kommt hier zu einer blutgetränkten Opfergrube um die sie sich versammeln, damit die toten Seelen kommen.

Unter den Toten sind Achilles, Agamemnon und andere gefallene Helden aus der Ilias. Unter ihnen ist auch der tote Seher Theresias (der später noch einmal auftritt). Er sagt Odysseus eine schwierige Heimfahrt voraus. Daraufhin kehrt Odysseus zu Kirke zurück und fährt von dort weiter zur Insel der Sirenen. Diese sind bekannt für ihren lieblichen Gesang, der vorbeikommende Seeleute in ihren Bann schlägt, sie auf ihre Insel lockt, wo sie dann ermordet werden. Um dem zu entgehen befiehlt Odysseus seinen Männern, sich die Ohren zu verstopfen und ihn an den Mast des Schiffes zu binden, damit er den Sirenen lauschen kann.

Odysseus kommt vorbei an den Seeungeheuern Skylla und Charybdis

Den Zorn des Helios zieht er sich zu, weil er dessen Rinder schlachtet. Nur knapp können die Helden entkommen, dann erleiden sie wieder Schiffbruch. Und so kommt es, dass Odysseus auf der Insel Ogygia bei der Nymphe Kallypso landet.

Die Rache des Odysseus an den Freiern

Die Phaiaken (Phäaken) bringen Odysseus nach Ithaka. Dort trifft er als erstes auf den Sauhirten Eumaios, dem er sich – von Athene in einen Bettler verwandelt – nicht zu erkennen gibt und ihm irgendeine Lügengeschichte erzählt.

Telemach ist immer noch in Sparta. Athene sagt ihm jedoch, dass er wieder nach Ithaka heimfahren solle, was er macht. Odysseus gibt sich ihm zu erkennen.

Die Fußwaschung (18. Gesang)

Odysseus holt und versteckt die Waffen der Freier. Dabei kommt es zur berühmten Fußwaschungsszene: Odysseus ist Gast im Hause und während die Amme (Eureklea)  ihm die Füße wäscht, erkennt sie ihn an einer Narbe am Fuß.

Viele der Hausbediensteten haben sich mit den Freiern angefreundet und verbringen auch die Nächte bei ihnen. Die Freier wollten eigentlich Telemach töten, sehen aber davon ab, nachdem ihnen durch Vogelzeichen davon abgeraten wurden.

Das Bogenschießen

Bald soll es einen Wettkampf im Bogenschießen geben, bei dem auch Odysseus, als Unbekannter, teilnehmen soll. Er gewinnt den Wettkampf und es kommt zu einem Kampf zwischen den Freiern auf der einen Seite und Odysseus und Telemach auf der anderen. Dabei werden auch die Freunde der Freier hingerichtet. Penelope wird von der Amme informiert, dass Odysseus hier sei. Die Gattin kann es aber nicht glauben und unterzieht ihren Mann einem Test: Odysseus soll das Ehebett verrücken, denn nur der richtige Odysseus kann wissen, dass das Bett aus einem Baumstumpf gemacht wurde und das Haus rundherum erbaut wurde. Odysseus übernimmt nun wieder seine Pflichten als König und Grundbesitzer und hier endet die Odyssee.

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