Gedanken zu „Schande“ von Coetzee

Schande von John Maxwell Coetzee

David Lurie: ist ein Frauenheld, der sich an eine viel jüngere Studentin heranmacht. Diese ist passiv und willenlos, lässt sich von Lurie überrumpeln. Er geht plump vor und lässt nicht locker. Seine Anmache ist aufdringlich. Sie zeigt keinerlei Interessen an seinen Avancen, aber dennoch schläft sie mit ihm.
Für mich stellt sich die Frage, wie weit er sich zurückhalten hätte müssen, bzw. wie weit ist der Vorwurf des Missbrauchs wirklich gerechtfertigt.
Am Schluss des Buches ist er soweit sich von einem Hund zu trennen, der im Tierasyl auf den Tod wartet. Mit dieser Textstelle kann ich eigentlich nicht wirklich viel anfangen, am ehesten bedeutet es für mich, dass er, ähnlich wie seine Tochter, mit der Geschichte des Landes frieden geschlossen hat.

Lucy: Die Tochter von David lebt auf der Farm, versucht mit dem Verkauf von Blumen und Gemüse und mit der Hundepension ihr Land zu erhalten. Bereitwillig nimmt sie ihren Vater auf.
Zu Spannungen kommt es erst nach dem Ãœberfall: sie beide verfolgen unterschiedliche Ziele.
Sie hat die Dynamic der Nach-Apartheid akzeptiert, sie hat erkannt, dass sie auf ihrem Gleckenerde nur dann bleiben kann, wenn sie das Geschehene ohne Widerstand akzeptiert. Das ist auch der Grund, warum sie in die Ehe mit Pollux, dem Nachbarn, einwilligt.
Für mich ist diese Akzeptanz der Opferrolle nur schwer verständlich. Mir fällt es wesentlich leichter, die Absichten von David zu verstehen.

Pollux: ist ein schwarzer Südafrikaner, der ursprünglich ein unterbezahlter Arbeiter auf Lucys Farm war. Sie hat ihm einen Teil des Landes überschrieben. Das dürfte auch der Grund für den Überfall gewesen sein, denn wie es der Zufall wollte, waren er und seine Familie genau zur Zeit des Ãœberfalls nicht in der Gegend. Einer der Täter ist bei einem Fest von Pollux aufgetaucht, es zeigte sich, dass er ein Verwandter ist.

zum Buch: Eigentlich hat mir das Buch nicht so schlecht gefallen, obwohl es den Lobpreisungen nicht gerecht wird. Die Sprache ist einfach, der Text nicht kompliziert. Es streift die Themen: Missbrauch, Vergewaltigung und die Geschichte Südafrikas in Form der Nachapartheid.

J.M. Coetzee

Ich war überrascht, dass das Buch den Bookerpreis 1999 bekommen hat bzw. dass Coetzee den Nobelpreis für Literatur 2003 verliehen bekommen hat. Coetzee ist ein südafrikanischer Schriftsteller mit niederländischen Wurzeln. Viele der Bücher haben autobiographische Schnippsel.

Schande von J.M. Coetzee

Schande von CoetzeeTaschenbuch: 288 Seiten

FISCHER Taschenbuch, 2001

 

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