Teza von Haile Gerima

Im Film “Teza” schickt Gerima Anberber zu Zeiten des ehemaligen äthiopischen Diktators, Mengistu Haile Mariam, nach Deutschland, wo er Medizin studiert und gleichzeitig in die Theorie des politischen Kampfes eingeführt wird. Nach seiner Rückkehr wandelt sich seine Sympathie für das blutrünstige Regime bald in Abscheu und es stellt sich die Frage, wie viel Grauen und Gewalt kann ein Mensch aushalten.

Der Film Teza bekam den Spezialpreis der Jury in Venedig und in Burkina Faso wurde er als bester afrikanischer Film ausgezeichnet.

Nun stellt sich jedoch die Frage, woher bekommt man diesen Film?

äthiopischer Kalender

Der Kalender in Aethiopien ist eine Abwandlung des koptischen Kalenders (ein astronomischer Kalender, der von der koptisch-orthodoxen Kirche verwendet wird).

Dieser äthiopische Kalender läuft unserem gregorianischen Kalender 7 Jahre und etwa 9 Monate. So war der äthiopische Milleniumswechsel 12. September 2007.  An diesem Tag begann das äthiopische Jahr 2000.

Die Zeitrechnung wird wie im Gregorianischen Kalender auf Christi Geburt zurückgeführt. Zum Unterschied in der Jahreszählung kommt es dadurch, dass die Aethiopier an der christlichen Zeitrechnung von der vor Dionysius Exiguus festhalten.

Der äthiopische Kalender hat 13 Monate, davon 12 mit genau 30 Tagen und den 13. Mit 5 bzw. in Schaltjahren 6 Tagen.

Ostern in Aethiopien

In Aethiopien schenken Söhne und Schwiegersöhne von orthodoxen Christen ihren Eltern  lebende Lämmer zu Ostern. Dieses wird in den Tagen nach Ostern geschlachtet.
In Aethiopien wird 56 Tage gefastet: Gläubige ernähren sich bis zum Morgen des Ostersonntags streng vegan, gegessen wird unter der Woche nur einmal am Tag. Die Speissen bestehen hauptsächlich aus Brot und Gemüse.

Die Sonntage werden während dieser Zeit besonders gefeiert: Kinder verstreuen frisches Gras in den Häusern um Frische und Leben zu symbolisieren. Es werden Geschenke verteilt, gefeiert und es gibt grosse Festmahle. Gläubige gehen in die Kirchen um gemeinsam zu beten.

Am Ostersonntag (der eine Woche später als bei uns gefeiert wird) lädt man sich gegenseitig zum Essen ein, tauscht Breife und Segenswünsche aus: niemand soll an diesem Tag hungern oder alleine sein.

2. Tag – Nachmittag

Wir überlegten eine Zeit lang hin und her und entschieden uns dann für die Bäckerei Münch: das ist das Geschäft der deutschen Familie, die in der Auswanderer-Doku-Soap „Lebe deinen Traum“ in vier Teilen bei der neuen Lebensplanung in Äthiopien begleitet wurde. Wir setzten uns dort in den kleinen Vorgarten und genossen die Sonne, Kaffee (Buna) frisch gepressten Ananas und Orangensaft. Die Bäckerei hat einen guten Standort gegenüber vom Hotel Interkontinental und in der Nähe der ECA (The United Nations Economic Commission for Africa), deswegen trifft man dort auch viele Europäer. Es gab dort typische Brötchen: vom Laugenstangerl bis zum Sesamweckerl. Die Preise waren sehr unterschiedlich, für das Sesamweckerl bezahlten wir 1 Birr (das ist die äthiopische Landeswährung und entspricht in etwa 8,5 Cent) und für das Laugenstangerl ungefähr 10 Birr. Die deutsche Familie sah man nicht, da sie sich zumindest im Verkauf gänzlich auf ihre äthiopischen Angestellten verließen. Beruhigend zu wissen, dass die Familie den Start geschafft hatte und dass das Fernsehen nicht immer lügt und es die Familie tatsächlich gibt, wobei sie den meisten, die die Folgen gesehen haben, eher unsympathisch war.
bäckerei münch
Nachdem wir noch ein paar Brötchen für unterwegs gekauft hatten, machten wir uns auf den Weg zum äthiopischen Nationalmuseum, das im Palast des italienischen Vizekönigs von Äthiopien (während der italienischen Besatzung im 2. Weltkrieg) untergebracht ist. Leider waren wir viel zu kurz dort, da es den Kindern bald zu langweilig wurde.
Das Museum ist wie eine Reise durch die Zeit: auf drei Stöcke aufgeteilt findet man im Keller frühe Menschenknochen, im Parterre die Kaisergeschichte und im ersten Stock Kunst aus Äthiopien und im zweiten Stock traditionelle Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände aus den verschiedensten Teilen des Landes.
äthiopisches nationalmuseum
Äthiopien gilt als die Wiege der Menschheit, da hier eines der ältesten Skelette gefunden wurde: Lucy hat ungefähr vor 3,2 Millionen Jahren gelebt und gilt als erster, aufrecht gehender Mensch, der Art Australopithecus afarensis.Im Jahre 2001 fand man nur wenige Kilometer von Lucy (amharish: Dinknesh) entfernt Selam, ein ungefähr 3-jähriges Kind, das ungefähr 150.000 Jahre älter als Lucy ist (http://de.wikipedia.org/wiki/DIK_1-1)
selam
Das Museum gibt auch guten Einblick in das Leben der Kaiser, so findet man Gemälde,
Haile Selassie
Festtagskleider,
festtagskleider
die Kronen und einige Throne, zB. von Haile Selassie I.
kronen
Die Kunstausstellung ist nett, wobei ich natürlich nicht beurteilen kann, ob die Sachen gut sind.
Interessant fand ich auch die Gebrauchsgegenstände, die sich nur zum Teil von denen aus Europa unterscheiden.
werkzeug
kunst
Beim Eintrittspreis war es wieder so wie bei den Löwen, meine Große und ich bezahlten 10 Birr und meine Kleine 1 Birr.

Nach diesen vielen Eindrücken war es Zeit wieder in die Mission zurückzukehren und uns für das Abendessen fertig zu machen.

Bemerkenswert ist die andere Zeitrechnung in Äthiopien. Das fällt einem gleich auf, wenn man in eine Wohnung eines Äthiopiers kommt und einen Blick auf die Uhr wirft: man wird zuerst einmal verwirrt sein: der Tag beginnt nämlich mit Sonnenaufgang, so zeigt die Uhr zur Mittagszeit genau 6:00. Das Jahr selber hat dreizehn Monate und jeder Monat genau 30 Tage, das heißt, der dreizehnte Monat ist ein sogenannter Schaltmonat. Auch die Jahreszahl unterscheidet sich von unserer: So hinkt der Kalender dann doch ungefähr 8 Jahre hinter her.
millenium

Nonstop Flug nach Addis Abeba

Lufthansa kündigt an, dass es ab Sommer 2009 einen Nonstop Flug nach Addis Abeba geben soll. Das finde ich ja super fein. Diese ewige Start und Landerei ist ziemlich nervtötend.

Hoffentlich wirkt sich das auch auf den Preis aus, wenn einmal Flughafengebühren weg fallen. Andererseits ist es fraglich ob sie die doch günstigeren Preise von Tuerkish-Air oder Agypt-Air erreichen können.

2. Tag – Vormittag

Wie besprochen holte uns unser Fahrer A um ½ 10 Uhr ab. Wir besprachen kurz was wir unternehmen wollten und starteten los. Zuerst wollten wir in die Gegend der Hana Clinic, wo meine Tochter gefunden wurde. Ich hatte extra den Polizeibericht mit, damit wir genau wussten, wohin wir mussten. Es gab ein kleines Problem: Die Suche nach Adressen läuft nicht so einfach wie bei uns: es gibt kaum Straßennamen, bzw. sind sie nicht allgemein bekannt und schon gar nicht stehen sie an Hauswänden. Unter der Bevölkerung ist es auch nicht üblich, die Zonen, Stadtbezirke (Woreda) und Subdistrikte – Stadtvierteln (Kebele) zu benennen, sondern man richtet sich zB nach den vorherrschenden Betrieben: das Toyotagebiet, denn dort gibt es sehr viele Autowerkstätten, die auf die Reparatur von Toyotas spezialisiert sind.
Außerdem wurde diese Einteilung in Weredas und Kebeles weitgehend abgeschafft. Nach einigen Telefonaten bekam A die genaue Wegbeschreibung und wir fuhren los. Wir sahen einige der berühmten Straßen von Addis Abeba. Wir verließen die Hauptstraße und bogen in eine der kleineren Straßen ein. Rechts von uns war ein kleiner Markt. Auf den Schienenanlagen waren mehrere Schafe angebunden, die zum Verkauf angeboten wurden.
Hana Clinic
Nach weiteren Fragen an die Kinder, die wie fast überall in der Stadt in den Straßen herumliefen, hatten wir bald den richtigen Platz gefunden. Die Hana Clinic war wie viele Gebäude in Addis hinter einem hohen Zaun aus Wellblech versteckt. Wir stiegen aus und gingen ein bisschen die Straße rauf und runter. Es war ein doch recht bewegender Augenblick. Meine Tochter stellte sich genau unter das Schild von der Klinik und wir machten ein paar Fotos. Es schien eine ältere bzw. ärmere Gegend zu sein, wobei man das so nicht sagen kann, da in der Stadt arm und reich oft dicht an dicht nebeneinander wohnen.
Hana Clinic
Als nächstes fuhren wir zu den Löwen, dem Wahrzeichen der Äthiopier.
Der Löwe hat in Äthiopien eine sehr lange Tradition: Kaiser Haile Selassie wurde auch als „König von Juda“ bezeichnet, eine messianische Gestalt, die in der Offenbarung von Johannes erwähnt wird. Bis 1947 war de Löwe auch Symbol auf der äthiopischen Nationalflagge. Äthiopische Herrscher hielten sich die Löwen in diesen Gehegen (in der Hauptstadt und auch außerhalb) zum Zeichen ihrer Macht. Anscheinend handelt es sich dabei um Berberlöwen, die in freier Wildbahn längst ausgestorben sind.
Bei den Löwen machte ich die erste Bekanntschaft mit dem Preissystem der Äthiopier: ich meine ältere Tochter mussten immer den „weiße-Nasen-Tarif“ bezahlen, der meist ein 10faches vom Einheimischen-Tarif ausmachte. Selbst für den Fotoapparat musste ich separat bezahlen. Die Löwen waren in einem großen Rondell untergebracht, weit davon entfernt von artgerechter Tierhaltung.
Löwe
Wir schlenderten weiter durch die schön angelegte Parkanlage und kamen zu weiteren Käfigen, in denen unter anderem Affen untergebracht waren. Bald bemerkten wir einen kleinen Affen, der frei herumlief. Niemand störte es, dass er offensichtlich aus einem der Käfige ausgekommen war, denn er lief ungestört durch die Besucher hindurch. An einem anderen Käfig, der kaum größer war, als ein heimischer Hasenverschlag, war ein Schild, darauf stand “Schwarzer Papagei”, nur war da weit und breit kein Vogel drinnen, auch das schien niemanden zu stören.
Affe
Seit kurzem gibt es auch ein kleines Karussell und Elektroautos in der Anlage, aber wir waren uns nicht sicher, ob es wirklich so sicher war, damit zu fahren. Sicherheitsstandards sind nicht sehr groß geschrieben.
Riesenrad
Nachdem wir alle hungrig waren, beschlossen wir irgendwohin zu fahren, um etwas zu essen.

Tipps für Reisen nach Addis Abeba

Schon als ich das letzte Mal in Addis war, wurde mir im Vorfeld gesagt, dass ich unbedingt das Wasser abkochen müsste – auch das Wasser zum Zähne Putzen. Ich habe zwar inzwischen auch manchmal gelesen, dass es nicht notwendig ist, aber es scheiden sich die Geister. In der Hauptstadt gibt es zwar fließendes Wasser, aber nicht überall und auch nicht immer. So rannte beim Duschen am Abend das Wasser nur spärlich. Eine Toilette hatte gar kein Wasser. Auch gibt es für viele Häuser der Armen überhaupt kein fließendes und sauberes Wasser. Auch in Hotels kommt es vor, dass man nicht immer Wasser hat, auch kommt es vor, dass es stundenlang keinen Strom gibt, daher wird auch immer empfohlen Taschenlampen mitzubringen.
Nachdem ich das letzte Mal festgestellt hatte, dass Einheimische das Wasser aus der Leitung trinken, habe ich auf das Abkochen zum Zähne Putzen verzichtet. Das Wasser zu trinken habe ich mich nicht getraut, ich weiß von einigen Familien, die mit Durchfall zurück gekommen sind.
dusche

Unter den Regeln, die ich mit meinen Kindern vor der Abreise als wichtig besprochen habe, war die Tatsache, dass wir das Wasser immer Abkochen müssen. Schon am ersten Tag erwies sich das als relativ schwierig. Bewaffnet mit Zahnbürste und Becher mit abgekochtem Wasser gingen wir ins Badezimmer. Wir tauchten die Bürste in den Becher, Zahnpaste drauf und Zähne putzen und schwupps Wasserhahn auf und Zahnbürste ausgewaschen. Ich maulte – umsonst. Am Abend lief es genau umgekehrt: meine Große machte die Zahnbürste unter dem Fließwasser nass und putzte dann. Das zog sich durch die ganze Woche: es klappte nicht, die Zahnbürste sah den Becher mit dem abgekochten Wasser nur sehr selten. Aber gut, wir haben offensichtlich alle drei einen guten, stabilen Magen.

Eine weitere, wichtige Regel, die das Reisen in dritte Weltländer betrifft, ist das Vermeiden von Salaten und ungekochtem, ungeschältem Obst und Gemüse und ungekochter Milch. Die einzuhalten wäre eigentlich nicht so schwierig. Nur haben wir es nicht geschafft uns daran zu halten: irgendwann gab es zum Abendessen eine kalte Platte u.a. mit wunderbaren Tomaten und Gurken. Und wiedereinmal fiel mir auf, wie gut und anders das Obst und Gemüse in Addis schmecken: man schmeckt richtig die Natur und dass keine Spritzmittel und Konservierungsmittel verwendet werden und dass es keine wirklich langen Transportwege gibt. Am Freitag aßen wir wunderbaren gemischten Salat, auch der schmeckte soviel besser als bei uns. Aber was soll es, auch den Salat haben wir gut vertragen, aber – Danke an A, unseren Fahrer – er hat uns vorgewarnt, im Salat versteckt, waren schmale Streifen von Peperoncinis.
Injera: typisches, äthiopisches Essen: Injera
Und eine dritte Regel betraf den Umgang mit Tieren. Das musste auf jeden Fall erwähnt werden, da meine ältere Tochter immer und überall irgendwelche Tiere streichelt bzw. angreift. In Äthiopien wie in allen Ländern Afrikas sind Tiere Nutztiere und keine Kuscheltiere, dem entsprechend schlecht werden die meisten Tiere behandelt. Viele Tierkrankheiten bleiben unbehandelt, daher wollten wir natürlich das Risiko nicht eingehen, uns mit irgendwelchen undefinierbaren Bakterien anzustecken. Außerdem gilt Äthiopien als Tollwutgebiet, auch die Staupe ist nicht unbekannt.
Und fast hätten wir es geschafft, aber nur fast. Schon am Abend des ersten Tages haben meine Kinder festgestellt, dass es in der Mission neben einer großen Landschildkröte zwei Hofhunde – Sissi und Susi – gibt und irgendwie ließ es sich nicht rechtfertigen sie nicht zu streicheln. Vor allem auch, weil die beiden sehr zahm waren. Beide sahen so aus, als wären sie Verwandte des in Äthiopien endemisch Vorkommenden und vom Aussterben bedrohten „äthiopischen Wolfs“.
hunde
Dann schlossen meine Kinder noch (eine kurze) Freundschaft mit einem verletzten Esel, der ein Bein gebrochen hatte und einfach liegen gelassen wurde. Mit zwei jungen Frauen aus der Mission brachten sie ihm ein bisschen etwas zum Fressen (was ich absurd finde, angesichts der vielen Straßenkinder) und Wasser. Interessanterweise ist das aber etwas, für das meine beiden noch zu klein sind, sie konnten und können diese Art der Armut noch nicht begreifen.
esel

Und als letzter Tipp: es empfiehlt sich, Sonnencreme mit zunehmen und diese auch zu verwenden. Am ersten Tag haben wir uns alle einen Sonnenbrand geholt: das Wetter war etwas bewölkt, daher haben wir die Gefahr der Sonne gänzlich unterschätzt. Immerhin liegt Addis Abeba in der Nähe des Aequators und auf ungefähr 2500 Metern Höhe. Zu dieser Jahreszeit, während es hier kalt war und schneite, hatten wir in Addis jeden Tag schönes Wetter und ungefähr zwischen 25 und 30°. Allerdings sollte man auch warme Sachen mitnehmen, da es, sobald die Sonne weg ist, auch recht kalt werden kann – nicht nur in der Nacht, auch untertags.